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Finanzierung in Österreich: Graph Therapeutics baut Wirkstoffpipeline aus

Rund anderthalb Jahre nach seiner Seed-Finanzierung hat das im Wiener Vorort Klosterneuburg ansässige TechBio-Unternehmen Graph Therapeutics seine Finanzierung auf insgesamt mehr als 10 Mio. US-Dollar ausgebaut. Eine neue Runde über 5 Mio. US-Dollar soll den Übergang von der Technologieplattform zur eigenen Wirkstoffentwicklung beschleunigen.

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Mit neuem Investor und einer neuen Finanzierungsrunde über 5 Mio. US-Dollar soll bei Graph Therapeutics der Übergang von der Technologieplattform zur eigenen Wirkstoffentwicklung beschleunigt werden. Neu an Bord ist der Pariser Venture-Capital-Investor Daphni, während die bisherigen Investoren SquareOne, Merantix Capital und NAVEC Investment Management erneut Kapital bereitstellen. Ergänzt wird die Finanzierung durch Fördermittel der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie der Austria Wirtschaftsservice (AWS).

Als |transkript.de Anfang 2025 über die Seed-Runde berichtete, stand vor allem das Gründerteam im Mittelpunkt. CEO Gregory Vladimer und CTO Robert Sehlke arbeiteten zuvor in Führungspositionen bei Allcyte und nach dessen Übernahme durch Exscientia im Jahr 2021 am weiteren Ausbau KI-gestützter Wirkstoffforschung.

Von der KI-Plattform zur eigenen Pipeline

Inzwischen hat sich die Strategie von Graph Therapeutics weiterentwickelt. Das Unternehmen versteht sich nicht mehr ausschließlich als Anbieter einer KI-gestützten Forschungsplattform, sondern baut auf deren Basis eine eigene Pipeline für entzündliche und immunvermittelte Erkrankungen auf.

Im Zentrum steht eine Plattform, die primäre Patientenzellen mit Multi-Omics-Analysen und Verfahren des maschinellen Lernens kombiniert. Anders als viele KI-Ansätze, die vor allem auf öffentlich verfügbaren Datensätzen arbeiten, analysiert Graph krankheitsrelevante Zellen direkt aus Patientenproben. Genomische, transkriptomische und weitere molekulare Informationen werden zusammengeführt und mithilfe von KI ausgewertet, um bislang verborgene Krankheitsmechanismen, neue Angriffspunkte für Medikamente und geeignete Biomarker zu identifizieren.

Die experimentellen Daten fließen kontinuierlich zurück in die KI-Modelle, die dadurch immer präzisere Vorhersagen treffen sollen. Diesen iterativen Ansatz bezeichnet das Unternehmen als „Lab-in-the-Loop“ – ein Konzept, das experimentelle Biologie und maschinelles Lernen eng miteinander verzahnt und die Datenströme kontinuierlich abgleicht, daher wird der Kreis (Loop) hier als Bild gewählt. Eigentlich ist es jedoch eher wie in der Evolution kein Kreis, denn damit würde man immer wieder nur zum Ausgangspunkt zurückkehren, sondern ein spiralenförmiger Fortschrittspfad. Mit jeder Iteration kommt man einen Schritt weiter und lässt die Modelle erneut durchlaufen.

Schwindelig im Kreislauf? Die Spirale weist nach vorne

Nach Angaben des Unternehmens hat die Plattform inzwischen den Reifegrad erreicht, um nicht nur neue biologische Zusammenhänge aufzudecken, sondern direkt die Entwicklung eigener Wirkstoffprogramme zu unterstützen. Genau dieser Schritt ist derzeit bei zahlreichen TechBio-Unternehmen zu beobachten. Während in den vergangenen Jahren vor allem Plattformpartnerschaften mit der Pharmaindustrie im Vordergrund standen, die Start-ups dort aber oft in der Dienstleister-Schublade hängenblieben, versuchen viele Unternehmen inzwischen, eigene Medikamentenkandidaten bis in die klinische Entwicklung zu bringen und damit einen größeren Teil der Wertschöpfung selbst zu realisieren.

Graph Therapeutics sieht naturgemäßt zusätzlich Potential für Kooperationen und Lizenzvereinbarungen mit Pharmaunternehmen. Die Plattform soll künftig sowohl als Basis für eigene Entwicklungsprogramme als auch für strategische Partnerschaften dienen.

Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen seine Programme im Bereich entzündlicher und immunvermittelter Erkrankungen weiterentwickeln und die Plattformtechnologie ausbauen. Für den neuen Investor Daphni steht Graph exemplarisch für eine neue Generation von TechBio-Unternehmen, die Künstliche Intelligenz nicht als Selbstzweck verstehen, sondern als Werkzeug zur systematischen Entwicklung neuer Medikamente.

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